Fruchtzucker - was macht er mit mir?


Unser Haushaltszucker (Rohrzucker, Rübenzucker, Saccharose, Sucrose) besteht zu 50% aus Glukose(Traubenzucker) und zu 50% aus Fruktose(Fruchtzucker).

 

Alle Lebewesen dieser Erde sind auf Glukose als Energieträger angewiesen. Steht sie einmal nicht zur Verfügung, kann sie unser Körper sogar selbst herstellen (allerdings nur aus wertvollem Muskeleiweiß, was aber keine so gute Sache ist - wir verlieren Muskelkraft!)

 

Fruktose ist das, was so angenehm süß schmeckt. Deshalb enthält das Fruktose-Sirup, das die Lebensmittelindustrie vielen Fertigprodukten zusetzt auch meist einen erhöhten Anteil an Fruktose.

 

Unser Körper ist auf Fruktose nicht angewiesen, er braucht sie also nicht. Wir haben aber im Lauf der Jahrtausende gelernt, mit den geringen Fruktosemengen von 5-15 Gramm täglich durch Obst und Honig umzugehen und sie in unserer Leber abzubauen. In dieser Größenordnung schadet sie auch nicht.

 

Viele Süßgetränke, auch Obstsäfte enthalten aber deutlich mehr an Fruktose. Es ist auch keine Problem, eine Flasche Orangensaft pro Tag zu trinken. Wer isst aber schon jeden Tag die dafür benötigten 10 bis 12 Orangen?

 

Trinken wir uns krank?

Wirkungen von Fruktose auf unseren Stoffwechsel:

 

Glukose wird zum größten Teil in unserer Muskulatur in Energie umgewandelt und unserer Gehirn benötigt sie auch - immerhin 25% der täglichen Gesamtzufuhr. Sie kann in unserer Leber zwischengespeichert und bei Bedarf (Hungern, Bewegung) wieder frei gesetzt werden.

 

Fruktose kann nur in der Leber abgebaut werden. Ist sie einmal in unserer Leber, kann sie diese nicht mehr verlassen. Weder unsere Muskeln noch unser Gehirn können mit Fruktose irgend etwas anfangen.

 

Was macht also Fruktose in der Leber und wie beeinflußt sie unseren übrigen Körper?

  • Vermehrte Harnsäurebildung (Ablagerung in Gelenken = Gicht).
  • verminderte Bildung des gefäßerweiternden Stickstoffmonoxid in den Blutgefäßen = Gefäßverengung und Blutdruckanstieg.
  • vermehrte Neubildung schädlicher Fette.
  • Bildung von Fett-Tröpfchen mit Ablagerung in der Leber - Fettleber
  • Hepatische Insulinresistenz = verringerte Insulinwirkung an den Leberzellen - der Blutinsulinspiegel steigt. Das führt zu einer vermehrten Speicherung von Fett in den Fettzellen unseres Körpers.
  • Export sehr leichter Fette (VLDL) ins Blut. Im Muskelgewebe behindern diese Fette die Insulinwirkung an den Muskelzellen, was zu Energiemangel in den Muskeln und zum Anstieg des Blutzuckers führt (Schlagwort: Insulinresistenz).
  • Erhöhter Abbau von Speicherglukose (Glykogen) in der Leber, dadurch Anstieg des Blutzuckers. Dieser Zucker kann aber in den Muskelzellen wegen der Insulinresistenz nicht verbrannt werden. Also bleibt der Blutzucker hoch.
  • Erhöhter Blutzucker = Mangelndes Sättigungsgefühl im Gehirn. Unser Fettgewebe bildet das Sättigungshormon Leptin, das unserem Gehirn sagt, dass wir satt sind. Durch den erhöhtem Blutzucker wird aber im Gehirn der Rezeptor (das "Schloss" für das Leptin / Glukose ist der falsche Schlüssel, der zwar passt, aber nicht gedreht werden kann) blockiert, so dass dieses nicht wirken kann und bei uns kein Sättigungsgefühl entsteht = wir essen mehr als uns gut tut = Gewichtszunahme.

Übrigens: das Ganze nennt man Metabolisches Syndrom was soviel bedeutet wie "Kombination von stoffwechsel-störenden Faktoren". Das Metabolische Syndrom ist auch nicht unbedingt an Übergewicht und Fettleibigkeit gebunden. Auch schlanke Menschen können es haben und Dicke müssen es nicht haben. Hängt auch von der Vererbung ab. Feststellen kann man es durch eine Blutdruck- und Blutuntersuchung.


Der chemische Abbauweg von Fruktose in der Leber entspricht genau dem des Alkohols. Bis auf die berauschende Wirkung des Alkohols sind also die Wirkungen und Nebenwirkungen von Alkohol und Fruktose fast identisch.

 

Geben Sie ihrem Kind also ein Glas eines Süßgetränks oder ein Glas Fruchtsaft wird es bis auf die berauschende Wirkung des Alkohols die gleichen Stoffwechselstörungen bekommen wie nach dem Genuß  eines Glas Bier.

 

Hierzu empfehle ich die Ausführungen von Robert Lustig. Er ist ein amerikanischer Kinderendokrinologe an der Universität von Kalifornien in San Francisco und er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Zucker in unserer Ernährung.

 

Sein neuestes Video (englisch) finden Sie hier . . .